Wann ziehen die Mauersegler in den Süden?
Ende Juli werden die charakteristischen Rufe der Mauersegler leiser und sie bereiten sich auf den Zug in den Süden vor. Aber wann genau und wohin? Und wann kommen sie eigentlich wieder?
Aktuell neigt sich der Juli dem Ende zu und viele Vögel fangen an, sich auf den Zug in den Süden vorzubereiten. Besonders für Langstreckenzieher ist die Brut nun abgeschlossen und sie warten auf den richtigen Moment, um sich auf ihre Reise zu begeben. Dazu gehört u.a. der Mauersegler. Zurzeit sind ihre Rufe noch zu hören, aber sie werden deutlich seltener und leiser.
In Städten sind sie im Sommer allgegenwärtig, da sie präferiert in abgeschlossenen, dunklen Hohlräumen nisten. Diese Bedingung wird optimal von Mauerlöchern unter Dächern hoher Gebäude erfüllt und so sind ihre Rufe gut bekannt. Besonders wenn die eigene Wohnung relativ weit oben gelegen ist, kann ihre Präsenz durchaus laut werden und ein warmer Sommerabend bleibt nur selten ruhig.
Interessanterweise waren Mauersegler einst Fels- und Baumbrüter bevor sie menschliche Gebäude für sich entdeckt haben. Heute gibt es noch vereinzelt baumbrütende Mauersegler, obwohl diese deutlich seltener geworden sind. So war 2018 in Bayern nur noch eine einzelne Kolonie bekannt. Die größte mitteleuropäische Population davon befindet sich im Harz und allgemein sind diese größtenteils östlich der Elbe zu finden.

Obwohl man Mauersegler oftmals in großen Zahlen am Himmel in der Stadt beobachten kann, handelt es sich bei ihnen nicht um Koloniebrüter und sie reagieren aggressiv auf Konkurrenz um ihren Nistplatz. Der Wortlaut der Kolonie aus dem vorherigen Absatz war direkt aus dem Bericht des LBV übernommen. Da jedes baumbrütende Mauersegler-Paar eine eigene Baumhöhle benötigt, ist dieser Begriff nicht so streng einzustufen und soll nicht an Kolonien wie bei Basstölpeln oder Pinguinen erinnern. Viel mehr finden sie sich so zusammen, wie sie es auch in der Stadt tun und es ergibt sich automatisch ein entsprechender Abstand einzelner Nester. Bei der Insektenjagd scheinen sie sich allerdings nicht besonders gegenseitig zu stören. Darauf möchte ich hier aber gar nicht weiter eingehen, schließlich soll ihr Zug in den Süden im Vordergrund stehen. Trotzdem hatten diese Informationen mich bei der Recherche überrascht und ich musste es in diesem Kontext kurz loswerden.
Wie anfangs bereits erwähnt, handelt es sich bei Mauerseglern um Langstreckenzieher. So überwintern sie großflächig in Afrika südlich der Sahara, wobei einige sogar bis Südafrika fliegen. Um diese lange Strecke zurückzulegen, müssen sie etwas zeitiger in den Süden starten als Arten, welche in Europa oder Nordafrika bleiben. In Nordeuropa beginnt der Zug Ende Juli, findet allerdings hauptsächlich im August statt. In Deutschland beginnt der Zug ebenfalls zu dieser Zeit, wobei Durchzügler vom Norden und Osten noch bis in den Oktober zu sehen sein können. Sie fliegen in Richtung Süd-Süd-West, um ab September in Afrika anzukommen. Aber es gibt auch Hoffnung: Bereits ab Ende April und Anfang Mai sind die ersten Mauersegler wieder in Mitteleuropa zu sehen.
In einer Studie wurden 5 Individuen in Schweden Tracker angelegt, um ihre Flugzeit und -route festzustellen. Sie überwinterten in West- und Zentralafrika. Dabei konnte beobachtet werden, dass diese Vögel in den 10 Monaten, in denen sie nicht brüten, 99% der Zeit in der Luft verbracht haben. Einige sind nie gelandet. Das bestätigte erneut, dass Mauersegler nahezu ihr gesamtes Leben in der Luft verbringen. Zum Brüten müssen sie zwar ihren Flug unterbrechen, dafür zieht es sie danach aber sofort wieder in die Luft, wo sie ebenso schlafen. So können sie in einem Jahr beeindruckende 190.000 km zurücklegen. Auf ihrem Zug fliegen sie bis zu 3000 m hoch und können in nur vier Tagen 1300 km zurücklegen.
Ich werde sicherlich die verbleibenden Tage in diesem Jahr genießen, wo ich noch ihren lauten Ruf hören kann und vielleicht kann ich auch den einen oder anderen Durchzügler später im Jahr noch beobachten. Danach heißt es wieder gespannt auf den Mai und den ersten Mauersegler des Jahres zu warten.
Dieser Artikel ist unter der CC BY-SA 4.0 lizensiert.