Kohlmeise Jungvogel an einer Futtersäule

Warum eigentlich Vögel füttern?

Warum füttern wir eigentlich Vögel? Gibt es historische Gründe? Und wie haben sich diese heute verändert? Hier möchte ich eine kurze Motivation zum Vögel füttern geben.

Historie

Meise am Futterkasten

Angefangen hat das Füttern von Wildvögeln vor ca. 200 Jahren. Es lässt sich über den Anlass dafür streiten, aber eins ist klar: Die Tradition hat sich bis heute gehalten. Vielleicht war es Mitleid oder eine allgemeine Sehnsucht zur Natur in den Städten. Zumindest war es damals nicht unbedingt notwendig, da die Lebensräume der Vögel noch intakt waren: Es gab ausreichend Insekten, Samen an Kräutern und mit Beeren behangene Büsche. Sollte ein Winter wirklich hart für die gefiederten Freunde werden, konnte die Natur das über die folgende Saison und längerfristig über einige Jahre ausgleichen.

Anklang fand die Fütterung von Wildvögeln um 1900 und hatte hauptäschlich mit der Etablierung der modernen Lebensweise zu tun. Grob lässt sich die Motivation auf drei wichtige Faktoren eingrenzen: Immer mehr Menschen lebten in Städten, was ein Verlangen nach der Natur mit sich zog. Der Alltag in der grauen Stadt, besonders in kalten und traurigen Wintermonaten, ließ sich etwas besser ertragen, wenn man sonst scheue Vögel vom Fenster aus in Ruhe beobachten konnte. So war der Vogel an der Futterstelle hinter dem Fenster eine willkommene Abwechslung, wie auch heute noch.
Dann gab es ebenfalls den pädagogischen Wert. Kinder konnten so auf praktische Weise lernen Vogelarten zu bestimmen, was wohl eher Interesse weckt, als Illustrationen in Büchern. Weiterhin konnten grundlegende handwerkliche Fähigkeiten durch den Nistkastenbau vermittelt werden.
Letztlich ist noch der Grund zu nennen, der heutzutage wahrscheinlich der wichtigste der drei ist. Es sollte eine Art „Ausgleich“ für die zunehmende Zerstörung des Lebensraumes der Vögel schaffen. Es gab immer mehr systematisierte Landwirtschaft und große Städte. Da wollte man Ihnen den Winter etwas einfacher gestalten, wenn man in irgendeiner Weise selbst Verantwortung für die Bedingungen trägt.

Wie sieht es heute aus?

Seit den 1960er-Jahren hat sich die Lage allerdings deutlich verändert. Die Landwirtschaft wird immer mehr auf eine „perfekte“ Weise betrieben, wobei Monokulturen und Pestizide zur Vernichtung von Unkräutern einen schlechten Einfluss auf den gesamten Lebensraum haben. Außerdem richten der Verkehr, mehr Bebauung und Lichtverschmutzung einen ernstzunehmenden Schaden im Lebensraum der Vögel an.

Dementsprechend hat sich die Futtersituation der Vögel mittlerweile so stark verschlechtert, dass sie nicht mehr in der Lage sind alle ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen. Also ist die Fütterung von Vögeln heutzutage absolut notwendig und ein wertvoller Beitrag zum Arten- und Naturschutz. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit sofortige Hilfe zu bieten, wo sie bereits notwendig ist. Also ist das Füttern von Vögeln (wenn man diese Fakten kennt und an Naturschutz interessiert ist) schon fast eine Verpflichtung. Vögel haben schließlich eine Funktion im Ökosystem, weshalb eine Artenvielfalt für die intakte Natur absolut notwendig ist.

Spatz an einer Futtersäule

Dabei handelt es sich nicht nur um die Fütterung im Winter, sondern besonders auch die Ganzjahresfütterung. Diese ist fast wichtiger als die Sicherstellung eine Nahrungsquelle im Winter; immerhin benötigen sie für die Aufzucht ihrer Jungen eine große Menge an Energie. Gleichzeitig hat sich aber das Nahrungsangebot über das ganze Jahr hinweg verschlechtert.

In einem weiteren Artikel werde ich noch stärker auf die Historie eingehen (da noch um das Jahr 2000 die Fütterung teilweise sogar als schädlich betitelt wurde), das würde aber von dem eigentlichen Thema dieses Artikels ablenken. Ebenfalls möchte ich noch auf angeblich schädliche Arten, wie den Star oder Haussperling (Spatz) eingehen und warum diese Meinung nicht korrekt ist.

Nun habe ich einige Gründe genannt, weshalb eine Vogelfütterung (auch ganzjährig) objektiv durchaus sinnvoll ist. Allerdings ist es im Endeffekt eine persönliche Entscheidung, die man selbst treffen muss. Schließlich muss die Fütterung auch regelmäßig erfolgen, damit nicht plötzlich eine wichtige Futterquelle fehlt. Hat man also Spaß daran Vögel im eigenen Garten zu beobachten und möchte selbst etwas zur Erhaltung der Arten beitragen, stellt die Fütterung eine sehr gute Möglichkeit dar beide Interessen zu vereinen.

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